Landratsamt Würzburg – Wettbewerb

N 49°47`8.465„
O 9°56`55.907„
Zeppelinstraße
97074 Würzburg

Ende letzten Jahres wurden wir, im Anschluss eines Bewerbungsverfahrens für den Wettbewerb „Landratsamt der Zukunft“ um den Erweiterungsbau des Landratsamts Würzburg eingeladen. Nur wenige Würzburger Büros durften, aus insgesamt 15 Teilnehmern aus ganz Deutschland und Österreich an dieser spannenden Aufgabe mitwirken.  Über die Einladung haben wir uns sehr gefreut

Unterstützung erhielten wir wieder durch die Landschaftsarchitekten adlerolesch aus Nürnberg.

Hintergrund für den Wettbewerb sind die wachsenden Aufgabenfelder und die damit verbundene Raumnot im Landratsamt Würzburg. Dringend benötigte Büro-, Grün und Parkflächen sollen erschlossen und für Mitarbeitern und Besucher, durch moderne und flexible Arbeitswelten, ein Landratsamt der Zukunft konzipiert werden. Es soll ein Erweiterungsbau mit ca. 220 zusätzlichen Arbeitsplätzen auf dem Gelände des jetzigen Bestandsgebäudes entstehen. Ein Ergänzungsbau mit Grünflächen, Aufenthaltsqualität und einer Tiefgarage wurde gefordert, welcher nicht nur für sich steht, sondern auch die umliegende Umgebung mit einbezieht und einen neuen Quartiersmittelpunkt entstehen lässt.

Auch wenn es diesmal nicht für eine Platzierung gereicht hat, so hatten wir großen Spaß an dieser Aufgabe und freuen uns, wenn es bald wieder heißt – it´s competition time.

Städtebau

Das Konzept sieht vor, durch die die Verortung des Erweiterungsneubaus den öffentlichen Raum im Frauenland kennzeichnend aufzuwerten. Der Neubau wird als Vervollständigung des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes und entsprechend als neue T-förmige Figur angeordnet. Er fügt sich durch seine Kubatur, der Formsprache in Fassade sowie der Dachlandschaft, in seine Umgebung ein. Der Baukörper besteht aus drei Tiefgaragenebenen im Splitt-Level-Prinzip, dem Erdgeschoss, 2 Obergeschossen sowie einem Dachgeschoss. Die Anbindung an den Bestand findet im Erdgeschoss des 2-stöckigen Kubus zum Mitteltrakt und in Verlängerung zum ursprünglichen Haupteingang statt. Durch seine zentrale Positionierung wird die Anlage einer urbanen Freifläche zur Integrierung in den städtebaulichen Zusammenhang Würzburger Frauenlandes ermöglicht. Das Grundstück wird strukturiert und es werden differenzierte, miteinander verbundene Außenbereiche geschaffen. Eine bauliche Nord-Süd-Achse, sowie eine landschaftsplanerische Ost-West-Achse schaffen kurze Wege. Deren Schnittpunkt markiert den neuen zentralen Haupteingang des Landratsamtes. So entsteht einerseits ein repräsentativer Vorplatz, der den Rahmen des neuen zentralen Haupteingangs bildet und zugleich eine angemessene Raumöffnung und Umfeld zur Pfarrkirche. Zum anderen formen der neue Baukörper und die Bestandsgebäude im Süd-Osten einen geschützten Innenhof, der eine einzigartige Kulisse für interne sowie externe Veranstaltungen bietet. Das Bürgerbüro mit Service bildet nicht nur in seiner Nutzung das zentrale Bindeglied zwischen Alt- und Neubau im Landratsamt, sondern verbindet auch formal und optisch auf sensible Art sein Umfeld als „Spiegelung“. Ebenso im Inneren wird die Fassade des denkmalgeschützten Hauses offengehalten und in Szene gesetzt.

Erschließung / Nutzungsverteilung

Die Anlage ist ebenengleich über den neuen Vorplatz sowie über eine Rampen- und Treppenanlage von der „Wittelbacherstraße“ aus barrierefrei erschlossen.
Das neue Spiegelforum mit Bürgerservice und Rendezvousbüros erstreckt sich über zwei Geschosse. Eine großzügige Galerie erschließt die zweite Ebene, wodurch der Bestand und Neubau verbunden sind und hausinterne Abläufe optimiert werden können.
Im Erdgeschoss der Erweiterung finden gemeinsame Nutzungen wie Cafeteria mit Zugang zum Mitarbeiter-Garten, sowie der Besprechungs- und Schulungsbereich seinen Platz. Die oberen Geschosse werden in insgesamt vier unabhängige Organisationseinheiten eingeteilt, die bei Bedarf an Dritte zur Verfügung ge-stellt werden könnten. Organisationseinheit 1 verfügt über die räumliche Nähe zur Eingangshalle / Ser-vicebereich im Spiegelforum und berücksichtigt 100 Arbeitsplätze. Die weiteren Einheiten sind als gleich-große Bereiche mit je 40 Arbeitsplätzen konzipiert. Zentral werden in jedem Geschoss die Allgemeinflächen angeordnet.
Das 3. Obergeschoss verfügt über einen offenen Dachraum und bietet für die Mitarbeiter unter anderem zurückgezogene Outdoor-Arbeitswelten, Kommunikationsinseln und/oder Erholungsmöglichkeiten auf dem Dachgarten.

Grundrissflexibilität

Das Grundrisslayout basiert auf einem Grundraster von 1,25m. Die Arbeitsplätze orientieren sich entlang der Außenfassade. Je nach Bedarf kann die Grundfläche flexibel als Open-Space, Team-, Kombi-, Gruppen-, Doppel- oder Einzelbüros organisiert werden. Die Mittelzone wird mit arbeitsbezogenen Sonderflächen wie Ruhezonen, Meeting-Points oder Espresso-Lounge etc. bespielt. Bei offenen Raumkonzepten dienen Raum-teiler zur Zonierung und Abschirmung der Arbeitsplätze.

Außenanlagen

Die Freiraumgestaltung sieht als übergeordnetes Gestaltungselement einen zusammenhängenden Pflas-terbelagsteppich vor, der sich über das gesamte öffentlich zugängliche Areal des Landratsamtes erstreckt und die einzelnen Funktions- und Nutzerbereiche miteinander verknüpft. Dieser Teppich wird mithilfe einer farblich hervortretenden Linierung (z. B. Einzeiler) akzentuiert, welche sich u. a. an den Fassadenfluchten der Bestandsgebäude und des Neubaus des Landratsamtes orientieren. Alt und Neu werden miteinander verstrickt. Die großzügigen, bestehenden Grünflächen, die das Bestandsgebäude umschließen, werden erhalten und im Norden, im Umfeld des Kindergartens und des neuen Mitarbeitergartens am Neubau ergänzt. Auf dem neuen öffentlichen Vorplatz des Neubaus im Nordwesten entstehen mehrere grüne gefass-te Raseninseln, die teilweise mit geschnittenen Heckenquadern, Bodendeckern und blühenden Stauden-beeten gestalterisch wie ökologisch aufgewertet werden. Es schließt sich ein grüner Ring, der aber auch angemessene Funktionsflächen frei hält, die sowohl dem repräsentativen Eingangs-/Vorbereich eine ab-lesbare Identität verleihen, den Besucher barrierefrei herein bzw. hindurch führen sowie zwischen Neu- und Altbau einen multifunktionalen „Eventhof“ mit Sitzstufenanlage und Holzbühne anbieten. Grüne wie auch freie Flächen sind, um der Überhitzung der Stadt entgegen zu wirken, durchweg von Schatten spendenden Einzelbäumen und kleineren Baumgruppen überstanden. Soweit möglich, werden Bestandsbäume erhal-ten und durch klimaresistente Ersatz-Neupflanzungen ergänzt. Das Entwässerungskonzept sieht neben teils versickerfähigem Belag die Einleitung des Oberflächenwassers in die Grüninseln und Baumscheiben vor. Der Vorplatz sowie der Eventhof bieten großzügige hochwertige Aufenthaltsmöglichkeiten für Besucher und Angestellte (Rückzugsmöglichkeiten). Flächen für motorisierten Verkehr werden funktional gut ablesbar von denen für Fußgänger getrennt. Teils überdachte Stellplätze für Fahrräder und PKWs sowie Tiefgaragen-einfahrten befinden sich immer Straßenseitig, die öffentlichen Bewegungsflächen im Inneren (Pflastertep-pich) werden von motorisiertem Verkehr frei gehalten, Anlieferung, Feuerwehr- und Rettungsfälle ausge-nommen. Der östliche Teil des Neubaus sieht eine intensiv begrünte Dachterrasse mit verschiedenen Auf-enthalts-, Rasen und Pflanzflächen für Mitarbeiter vor, die dem Gestaltungskonzept des Erdgeschosses folgt. Diese Fläche dient zusätzlich der Regenwasserrückhaltung.

Gebäudehülle / Fassadengestaltung

Die Grundlage zum Entwurf der Gebäudehülle ist der Bezug zur Umgebung. Die Öffnungen werden im Prinzip der Lochfassade angeordnet. Das Format orientiert sich am denkmalgeschützten Bestand. Die Dä-cher erhalten großformatige Oberlichter, die die Räume bis ins Erdgeschoss mit Licht durchfluten. Die Fas-sade und das Schrägdach bilden eine einheitliche Gebäudehülle aus Sicht-Recycling-Beton und nehmen somit eine signifikante Stellung zur Nachhaltigkeit und Umwelt ein. Das Bindeglied zwischen Bestand und Neubau bildet mit der Spiegel-Fassade seine Umgebung ab und markiert den zentralen Zugang.

Nachhaltigkeit / Energetisches Konzept

Die Erweiterung ist als Hybridbau in Holz/Beton vorgesehen. Beim 3- und 4-geschossigen Baukörper werden die Decken im Holz-Beton-Verbund mit aktiver Speichermasse, das Dach und die Außenwände in Holz-bauweise erstellt, die Untergeschosse sowie Stützen und Aufzugs-/ Treppenkerne hingegen in Stahlbeton. Diese ökologische Bauweise ermöglicht alle relevanten Aspekte wie Kühlen, Heizen, Lüften, Beleuchtung sowie Akustik in die Decke zu integrieren.
Das Spiegelforum erhält in konventioneller Stahlbeton-Skelettbauweise über Bauteiltemperierung eine gleichmäßige Grundtemperatur und gewährleistet im Sommer wie auch im Winter konstante Raumtempe-raturen. Eine individuelle Anpassung der Raumtemperatur erfolgt durch im Doppelboden installierte Heiz- und Kühlgebläse. Im Vordergrund steht auch der Verbrauch des eigenproduzierten Stromes. Dazu werden an der Süd-West-Seite des Schrägdaches in das großformatige Oberlicht Solarglas-Module integriert.
Die Verminderung der Beleuchtungszeiten und Minimierung der Kühllast durch einen textilen außen liegen-den Sonnenschutz trägt zur Optimierung der Lebenszykluskosten bei . Die entsprechende Gewebetranspa-renz gewährleistetet blendfreie Arbeitsbedingungen und eine minimierte Beleuchtung.
Durch Pflanzung in den Innenräumen mittels vertikalen Gärten wird eine beruhigende Atmosphäre und zugleich eine gute Akustik, sowie Luftqualität und –feuchtigkeit im Raumklima erzielt.

Außenanlagenplanung: adlerolesch LANDSCHAFTSARCHITEKTEN GmbH
Modelbau: Hauck.Modelle